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Alles eine Frage der Übung …

by Admin1927
Gemeinsame Übungen mit der Jugendfeuerwehr sind alljährlich ein fester Bestandteil auf unserem Dienstplan. Sie sollen das Kennenlernen und Zusammenarbeiten der Jugendlichen mit den Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr fördern.

Gleichzeitig gewinnen alle Kameraden wichtige Ortskenntnisse in bspw. landwirtschaftlichen Betrieben, anderen größeren Firmen und Objekten, oder neuen Wohnanlagen, die in ihrem Zuständigkeitsbereich liegen.

Am Donnerstag, den 9. August 2012, fand auf dem Reiterhof Langeloh im Sülldorfer Kirchenweg 219 eine gemeinsame Übung der Freiwilligen Feuerwehr und der Jugendfeuerwehr Sülldorf-Iserbrook statt. Diese Einsatzübung wurde durch Christin Zuleger (Jugendwartin) sowie Bernd Zuleger (BI) ausgearbeitet. Es waren umfangreiche Vorbereitungen zu treffen und es wurde beinahe nichts dem Zufall überlassen. Diese Übung beschränkte sich nicht nur auf eine Lagedarstellung, sondern bot die ganze Vielfalt an möglichen Szenarien.

Hinweis: Da unser Löschfahrzeug Sülldorf 2 wegen technischer Probleme in der Werkstatt war, hat uns die FF Lurup kurzfristig mit einem Löschfahrzeug ausgeholfen. Auch die FF Rissen hat uns für diese große Übung, wie so oft, wieder mit einem Löschfahrzeug unterstützt.

Was ist auf dem Reiterhof geschehen?

Ein mit einem Heu-Rundballen beladener Treckeranhänger kippte während der Fahrt auf dem Hof um. Durch den regen Betrieb auf dem Reiter-Hof blieb der Unfall nicht ohne Folgen.

Unter dem Anhänger wurde eine Person eingeklemmt. Der Rundballen rollte gegen eine an das Gebäude angelegte Leiter, auf dem ein Dachdecker mit einem Gasbrenner das Dach reparierte und dann gegen das Blechtor der linken Stallhälfte (das Gebäude war durch eine feste Wand geteilt in die linke und rechte Stallhälfte). Die Leiter kippte um und der Dachdecker stürzte herunter. Da er einen Sicherheitsgurt angelegt hatte, hing er jetzt in diesem Gurt ca. 3m über dem Boden. Bei dem Sturz hatte er sich den Kopf gestoßen und war bewusstlos. Das Blechtor verformte sich durch den Aufprall des Rundballens und ließ sich nicht mehr per Hand öffnen. Dadurch war hinter dem Tor eine Reiterin eingeschlossen. Durch den Gasbrenner des Dachdeckers fing das Dach des Gebäudes an zu brennen.

In einem Pferdestall in der rechten Stallhälfte befanden sich einige Kinder, die gerade an diesem Abend in dem Stall übernachten wollten. Durch die schnelle starke Verqualmung des Stalles fanden sie den Weg nicht mehr zurück und versteckten sich in einer Pferdebox im hinteren Teil des Stalles. Auf dieser Seite des Gebäudes befand sich ein großes Holztor, dieses war aber nicht mehr zu öffnen, weil sich direkt vor dem Tor eine Pferdebox befand.

Mehrere Personen, die sich zur Zeit auf dem Reiterhof befanden, riefen die Feuerwehr an.

Für die ersten anrückenden Kräfte der Feuerwehr Sülldorf – Iserbrook ergab sich folgendes Bild:
  • Mehrere durcheinander rennende Personen.
  • Eingeklemmte Person unter Anhänger, umgekippte Leiter, bewusstlose Person hängt im Sicherheitsgurt an der Stallwand.
  • Hilfeschreie aus dem inneren des Stalles hinter verformter Blechtür.
  • Stark qualmendes landwirtschaftlich genutztes Gebäude.
  • Durch Auskunft einiger Reiterinnen wusste die Feuerwehr von mindestens 5 eingeschlossenen Kindern.

LF Sülldorf 1 wurde vom Einsatzleiter (Wehrführer H.J.Mundt) zur Menschenrettung eingesetzt.

  • Eingeklemmte Person unter Anhänger.
  • retten des bewusstlosen Dachdeckers.

Das fast gleichzeitg eingetroffene LF von Rissen wurde für die Rettung der hinter der Blechtür eingeschlossenen Person und zur Erkundung des verqualmten Gebäudes eingesetzt.

  • öffnen des verformten Blechtores mittels eines Trennschneiders und retten der eingeschlossenen Person (hierfür musste eine Wellblechplatte zerschnitten werden).
  • Unterstützung von Sülldorf 2 bei der Brandbekämpfung und Menschenrettung unter Atemschutz.

Das nachrückende LF Lurup wurde schon auf der Anfahrt durch den Einsatzleiter angewiesen, die Auffahrt Sülldorfer Kirchenweg 223 zu nehmen (um an die Rückseite des Gebäudes zu gelangen und einen kürzeren Weg für die Wasserversorgung  zu haben). Es wurde zur Rettung der eingeschlossenen Kinder und für die Brandbekämpfung eingesetzt.

  • Hierfür musste zuerst das verschlossene Holztor mittels einer Motorsäge geöffnet werden (um das Tor nicht wirklich zu zerstören musste eine vor dem Tor liegende Holzpalette zersägt werden).
  • Menschenrettung unter Atemschutz und Aufbau eines Löschangriffes zur Brandbekämpfung.

Nachdem die erste Person gerettet war, wurde an einer ruhigen Stelle auf dem Hof, ca. 30m vom Unfallort, eine Verletztensammelstelle eingerichtet. Hier hätten auch die Rettungswagen ungehindert an- und abfahren können.

Die eingeklemmte Person, mit offenem Schienbeinbruch, wurde mittels Hebekissen unter dem Anhänger befreit und anschließend behandelt.

Um den, an dem Sicherheitsgurt hängenden, bewusstlosen und schwer verletzten Dachdecker schnellstmöglich aus seiner Lage zu befreien, wurden Euro-Paletten zu einer guten Arbeithöhe aufeinander gestapelt.

Wasser konnte rund um das Gebäude, von außen, vorgenommen werden.

Die Gasflasche mit dem Propanbrenner wurde gekühlt, geschlossen und vom Dach geholt.

Nachdem alle Personen gerettet und umfangreich versorgt waren, sowie Feuer aus gemeldet wurde, konnte der Anhänger, mittels eines Greifzuges,  von der ersten Gruppe wieder aufgerichtet werden. Als danach alle Geräte wieder auf den Löschfahrzeugen verstaut waren, wurde die Übung beendet

… allerdings gab es noch auf der Terrasse der Eigentümer des Reiterhofes Knackwurst für alle Beteiligten und etwas zu trinken!

Die folgenden Fotos (E. Müller), sowie der nachfolgende Übungsablauf, sollen einen kleinen Einblick gewähren …

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